Archiv der Kategorie 'Linke Spießer'

Olivenholzarbeiten aus Bethlehem

Jetzt bestellen: Der Erlös kommt Projekten in Palästina zugute.
Zum Beispiel kann man seine Solidarität mit Friedensprojekten in Palästina ausdrücken,
peace
oder auch mit Frauenprojekten.
frau

Eine Aktion von Pax christi

Oh, und in Kassel gibt es nächste Woche nen dollen Vortrag mit der Überschrift: „Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen – Eine deutsche Familie kämpft für Afghanistan“
Findet im Rahmen der Friedensvorlesungen der AG Friedensforschung statt.
Hier geht zu einem Interview mit dem Vortragenden: http://www.muslim-markt.de/interview/2007/ruf.htm

Von Scheinbesetzungen und anderen Irrtümern

Ich hasse ich dieses Besetzer-Theater an der Uni: Im Rahmen dieses sich fast jährlich wiederholenden Schauspiels wird ein Raum oder gar ein Trakt einer beliebigen Universität besetzt. In fast allen Fällen wird dem ursprünglichen Nutzern dieses Raumes weder der Zugang noch die Nutzung des Raumes verwehrt. Was die gesamte Besetzung in etwa so sinnvoll macht, wie ein Glas Wasser in den Regen zu stellen. Denn so kann der Unipräsident im „besetzten“ Präsidium weiter sein Büro benutzen, und von dort weiter an der Verteidigung seiner Politik arbeiten. Besetzte Seminarräume und Hörsäle werden extra für die vorgesehenen Veranstaltungen wieder frei gegeben. So tragen die Proteste etwas zum Lokalkolorit der jeweiligen Universitätsstadt bei, eine weitergehende Wirkung bleibt jedoch ausgeschlossen. Das stellen dann häufig auch die Besetzer in den jeweiligen Räumen fest. Nachdem diese also angemalt sind und verschiedene Partys gefeiert wurden, stellt sich häufig die Frage des wie weiter? In den ambitionierten Projekten gibt es dann eine OpenUni oder ähnliches. Viele Besetzungen werden nach Ende ihrer subkulturellen Halbwertszeit einfach aufgegeben. Spätestens wenn die Polizei klopft ist eh Schicht im Schacht, wirklich etwas riskieren möchte kaum einer, schon gar keine Anzeige. Anders als die Bewegung um 1968, auf die man sich häufig positiv bezieht, welche die juristische Auseinandersetzung explizit suchte und damit die Studentenschaft zum Teil extrem polarisierte, will der Bildungsstreik eben jene um jeden Preis vermeiden. Und mit ihr auch jede Form der Polarisierung der heutigen Studenten, und damit expliziten Politisierung ihres angeblichen Subjektes. Die aktiven Studierenden sollen bitte um keinen Preis belästigt werden denn, so eine häufig gehörte Erklärung, man brauche doch ihre Solidarität um mit dem gemeinsamen Anliegen erfolgreich zu sein. Dies führt zu solch grotesken Verrenkungen wie den erwähnten Scheinbesetzungen. Das einzige gemeinsame Anliegen was den politisch aktiven Studenten mit dem aktiven studierenden Studenten teilt, dem er so freundlich alle Türen aufhält, ist leider nur das einer möglichst lohnenswerten Karriere. So wird es also auch nie dazu kommen, dass die Solidarität der Mehrheit jemals eingefordert werden muss, da ihr ja jegliche Möglichkeit zur Polarisierung so konsequent erspart wird. Und somit wird der „breitest mögliche Konsens“ zum Dogma der Proteste, das vor allem jenen nutzt die aktiv an der Verschlechterung der Studienbedingungen beteiligt sind. Die passive Mehrheit der Studierenden wird damit zum Fetisch auf den die gesamte „Protestbewegung“ grade zu panisch Rücksicht nimmt.

Protest Lounge... falls die Svheinbestzung mal zu anstrengend wird

Und so entsteht im Schatten der Pseudostreiks und Scheinbesetzungen eine bizarre Grauzone aus falsch verstandenem Aktivismus und der Unfähigkeit der Handelnden, überhaupt eine politische Aussage abseits von „Bildung für Alle und zwar umsonst!“ zu treffen. Eine Grauzone in die sich mit erschütternder Regelmäßigkeit auch Aktivisten der (radikalen) Linken verirren und an ihr abarbeiten. In vielen Städten, auch in Göttingen, werden die Aktionen von ihnen maßgeblich angestoßen und getragen, die evtl. Nacharbeiten, sollte es zum Beispiel doch zu Repressionen kommen, werden über ihre Strukturen betreut und es sind grade an Universitäten mit rechten und rechts konservativen Studierendenvertretungen ihre finanziellen Mittel die den Protest tragen. Dennoch schaffen sie es nicht, aus ihren Aktivitäten einen Nutzen zu ziehen oder zumindest den kritischen Horizont der Proteste zu erweitern. Schlimmer noch, in manchen Städten werden offen linke Gruppen mit dem Argument des breitest möglichen Konsens aus den Aktivitäten ausgeschlossen. Auch so mancher Comment sollte hier mal einige zum Nachdenken anregen. Dennoch scheint eben der Gedanke des „breitest mögliche Konsens“ nur wenigen von ihnen absurd genug um auch innerhalb der Proteste konsequent eigene Inhalte zu vertreten. Statt dessen macht sich ein gefährlicher Urinstinkt aller Linken breit: Die Hoffnung auf die revolutionären Massen. Die Logik ist genauso fehlerhaft wie vollständig unbegreiflich. Sie glauben doch scheinbar daran, dass jene passive Mehrheit der Studenten, denen eine Teilnahme an den Protesten nur möglich ist, wenn die eigenen Positionen dafür beinahe verleugnet werden müssen, durch eben jene Proteste ohne explizit links besetzte Inhalte derartig politisiert werden würden, dass sie in ferner Zukunft die Kämpfe der linken unterstützen würden. Gipfeln tut dieser Selbstbetrug in der Parole „vom Bildungsstreik zum Generalstreik“.

Solange von der Mehrheit der involvierten linken Aktivisten der geforderte Konsens blind akzeptiert, sogar jenen ihre Räume öffnet, die sie später als Chaoten bezeichnen, bleibt sie in ihrer eigenen Ohnmacht gefangen. Solange sie den Asta und die beteiligten Gruppen nicht durch eigene Aktionen als passiv und unfähig darzustellen, solange wird sie auch an der Uni nicht für einen Wechsel des politischen Klimas sorgen können. Denn wer das Einbringen eigener Themenfelder und Parolen in die Proteste auf einen Block bei Demonstrationen beschränkt, der tut seinem oft formulierten Anspruch, vor allem über die Praxis seine politischen Forderungen zu vermitteln, nicht im geringsten recht. Im Gegenteil, dort wo diese Praxis derartig von der Bezugnahme auf eine vollkommen abstrakte Mehrheit diktiert und eingeschränkt wird verkommt sie zur entpolitisierten Simulation von Protest.

Back to the Future

Als Lurchi noch klein und (relativ) unschuldig war, gab es im Dorf ganz eigene Verhältnisse. Während sich die radikale Linke nach 1989 allerorten auf den Rückzug machte, bewegte sie sich in Göttingen recht agil nach vorne. Und so durfte ich mich noch an vermummten und mit Seilen gesicherten schwarzen Blöcken erfreuen. Neben dem Lauti trug Jürgen Trittin Knüppel und Bolzenschneider durch unser Dorf und Bernd Langer verkündete mir im übelsten Lauti-Sound das hinter dem Faschismus immer das Kapital steht. So schön diese Zeiten auch waren, so plötzlich waren sie vorbei. Ich lernte (schmerzhaft) was ein Wanderkessel ist, Jürgen Trittin legte die Waffen ab und zog in den Bundestag, um dort zu ganz anderen Waffen zu greifen, und Bernd Langer schaffte es als erster Autonomer jemals einen eigenen Wikipedia Artikel zu bekommen.

Mir ist nicht klar, ob es am Aufkommnden 90er Revival liegt, aber allen Analysen vom Rechtsruck der Gesellschaft und der Bedeutungslosigkeit der radikalen Linken zum Trotz will der Göttinger Stadrat nun zurück in eben jenes Jahrzehnt. Per Ratsbeschluss wird Polizeichef Hans „der Hubschrauber belästigt nur die Anwohner“ Wargel nun gebeten doch bitte auf die Demo am kommenden Samstag ausnahmsweise mal deeskalierend zu reagieren. Mehr noch! Selbst die SPD ist der Meinung, dass dauerhaft ein neues Deeskalationskonzept her muss statt unüberschaubaren Massen von Hundertschaften. Nun gibt es einen breiten Diskurs darüber, ob Geschichte sich wiederholen muss, also in Zyklen verläuft, oder eher etwas lineares ist, in dem manche Phänomene mehrfach auftauchen. Wir werden abwarten müssen ob es zyklisch oder linear verläuft. Das so etwas überhaupt noch einmal läuft hätte ich nicht geglaubt.

Andere Gruppen haben ja in der jüngsten Vergangenheit eher würgend und schlagend versucht für andere Verhältnisse in Göttingen zu sorgen. Allerdings sollte der Horizont hier wohl eher Richtung Magdeburg verschoben werden. Auch da hätte ich nie geglaubt, dass sowas läuft. Umso glücklicher bin ich, dass mir trotz meiner deutlichen Kritik an der großen A.L.I. Eigenwerbung in der Roten Strasse noch keine körperlichen Konsequenzen angedroht oder umgesetzt wurden. Dafür haben die ästhethisch versierteren Bewohner wohl mittlerweile zumindest Hammer und Sichel vom Tor entfernt. Denen heult zumindest Weltgeist wortreich hinterher. Weniger einfallsreich gestaltet sich die Verteidigung eben jener Werbewand seitens Fire&Flames. Da heißt es dann:

Finally, for el3ktrolurch: it takes a very special interpretation to read a mural which reproduces a historic design from back then, together with the „spruch“ and date of the incident as having no „aussage abseits von werbung für seine Gruppe oder veranstaltung.“


Ja da hat er recht. Es bedarf einer besonderen Leseart um einen den Mist nicht als Werbung für eine Veranstaltung zu verkaufen. Es bedarf aber nicht nur einer besonderen Leseart, sonder auch eines besonderen Verständnisses des Wortes „historisch“. Das Motiv das dort wiedergegen wird, ist das Motiv des A.L.I. Plakates zur Demo am Samstag. Nicht mehr und nicht weniger. Motiv und Farbgebung sind Deckungsgleich.

Unglaublich historisches Plakat

Das Plakat greift zwar das Motiv des Fronttranspis von 1989 auf, da enden die Parallelen dann auch. Historisch ist da nix. Wenn ich mir die Beschriftung anschaue, kommt mir wirklich das Kotzen. 20 Jahre war es Konsens ihren Nachnamen nicht zu nennen. Genauso wie nach der Sache mit Spiegel TV klar war, dass ihr Bild nicht mehr gezeigt werden soll. Das wiederum konnten scheinbar die alten Recken der AA[M] nicht vertragen und mussten es gleich in ihrem Flyer noch einmal zeigen. Aber das ist eine andere Geschichte. Den Vorwurf, dass hier eine „Märtyrerin“ für eine Gruppe vereinnahmt werden soll, muss sich die A.L.I. gefallen lassen. Es wäre auch ein deutlich neutraleres Bild vorstellbar gewesen. Ein Bild bei dem im Sinne des Murals die Erinnerung im Zentrum gestanden hätte. Das ist auf Fire&Flames klar. Nicht umsonst zeigen sie also schnell noch die gelungeneren Bilder am gleichen Platz. Der Verweis, dass es sich dabei um den gleichen „Kreis“ handeln würde, macht die Sache auch nicht besser. Sondern eher schlimmer.

Verwiesen werde ich auch auf das Bild an der Flora in Hamburg. Hier erreicht das ganze die Grenze zur Lächerlichkeit. Zwar ist hier wirklich mal etwas historisch, aber genau dort liegt auch des Pudels Kern: Wer ein altes Motiv einfach erneuert, welches zudem alle Qualitäten besitzt die von einem Mural erwartet werden, wird sich wohl kaum irgendeiner Kritik aussetzen müssen. Aber ihr hättet ja auch ein 2×3m Gruppenlogo druntersetzen können. Mal sehen wie sich die Flora da gefreut hätte.

Nicht einmal das Rot deckt vernünftig

Bisher hatte ich es ja geschafft, die olle A.L.I nicht ganz so hart zu bashen wie andere1. Aber nun haben sie sich einfach zu weit aus dem Fenster gelehnt. Über Linke und ihre Angewohnheit schlechte politische Propaganda als Streetart zu verkaufen habe ich mich ja schon mal abfällig geäussert, jetzt kommt es aber ganz dicke. Diesen hässlichen und vor Eigenwerbung stinkenden Farbunfall gar als Mural zu bezeichnen geht einfach zu weit. Ein Mural ist nicht nur ein vernünftiges Bild, nein es enthält auch eine Aussage abseits von Werbung für seine Gruppe oder Veranstaltung.

A.L.I.s nennen es Mural

Besonder beschämend das anscheinend sogar jemand dabei war, der malen kann. Was auf Bild 2 am Rande zu sehen ist, im Zentrum steht natürlich erneut die Erinnerung an Conny Werbung für die eigene Gruppe.

Wenigstens die Kameras sind gut geworden!

Ich rege mich jetzt auch nicht darüber auf, dass Conny hier, entgegen den Bemühungen ihrer Freundinnen und Freunde, sie nicht zur Märtyrerin zu stilisieren, mit vollem Namen genannt wird. Viel mehr möchte ich dazu anregen, Fotos von diesen wahrhaft ambitionierten Werk nach Nordirland zu schicken. Da können die in Sachen Murals noch richtig was von euch lernen! Schlecht deckende Grundierung und Gruppenlogos statt MGs und Nationalfahnen. Aber nicht vergessen dem Studentenwerk auch das „Bitte die Einfahrt freihalten“ Schild nicht zu übermalen, sonst wird das nix mehr mit dem „Here to stay“…

  1. Ich weiß was ihr jetzt denkt, aber der Jingle war einfach ein Eigentor [zurück]

Jingle fail

aber war ja zu erwarten…

Freier Eintritt für Ladys

und ein Gläschen Sekt gratis – Der rote Freitag