Archiv für September 2008

EMO- nachts um halb fünf

Fliegen. Mücken. Nachtfalter. Das war einmal. Das Einzige was nun noch gefangen wird bin ich. Na ja, ein Teil von mir. Staub. Jeden Tag ein wenig mehr. Er zittert im Luftstrom der meinem Zimmer noch ein wenig Leben einhaucht. Mein Atem ist schon zu schwach, um ihn zum beben zu bringen, die alten dreckigen Reste meiner selbst. Gefangen, indem was sich mal Spinnnetz nannte. Doch als was kann man es nun bezeichnen? Ein Relikt, aus dem Höhlenforscher auf vergangenes Leben schließen können.
Ja Leben gab es mal in ihm: Fliegen, Mücken, Nachtfalter und seine Bewohnerin. Sie musste nichts tun, außer nur da sein und alles kam ihr zugeflogen. Nun ist sie schon lange nicht mehr da und keiner lässt sich mehr blicken. Die Fliegen, die Mücken und die Nachtfalter sie kommen nicht mehr. Ab und an kamen sie noch vorbei, doch sie hatte ihr Nest verlassen und bot ihrer Beute kein Zuhause mehr. Jetzt hängt es da, das alte, verlassene Spinnennetz und der Staub strahlt im Licht der Morgensonne. Früher, ja es gab mal eine Zeit, hat dieser Anblick mein Herz noch mit wärme erfüllt. Tja, manche stehen auf tanzende Tüten im Wind, ich steh auf Spinnennetze in der Morgenröte. Zumindest tat ich das mal.

Hab mich sogar dazu entschieden Kopf und Fußseite bei meinem Bett zu tauschen, da ich lieber die Wand und das Netz anstarre, als das verdammte Bild was schon seit Jahren mir gegenüber hing, wenn ich morgens aufwachte. Ja, dieses Bild hat sogar einige Wohnungen von mir miterlebt und ich war ihm seiner überdrüssig. Abhängen kam aber auch nicht in Frage, das hat dieses Bild nicht verdient. Also da lieg ich nun, nach einer nicht durchgeschlafenen Nacht und blicke auf die Wand die sich vor mir erstreckt, ab und an blick ich aus dem Fenster, doch was ich dort sehe berührt mich nicht. Schon so viele Sonnenaufgänge hab ich gesehen und irgendwo gleicht der einem doch den anderen. Die Sonne altert halt nun einmal sehr langsam, nicht so wie wir. Während wir immer älter werden und unser Leben davon rennen sehen, ergötzt sie sich jeden Tag aufs Neue an uns und sagt: “Ich hab noch Millionen von Jahren vor mir! Aber, ihr, eure Zeit geht zu Ende und ihr werdet nichts anderes am Himmel sehen als mich!“ Ach wie sehr ich doch Wolken liebe.

Nun scheint die Sonne hoch am Himmel, es ist ein herrlicher Tag, ich denke mir, Junge steh auf und nutze ihn. Ich überleg mir was ich tun könnte, ein Haufen Zeug fällt mir ein, wie ich mein Leben an nur einem, diesem Tag zu etwas Wunderbarem machen könnte. Doch ich schaff es nur das Fenster zu schließen, damit der Lärm von draußen, der langsam wieder anschwillt, mich nicht stört, bei dem erholsamen Schlaf, den ich um diese Zeit dann doch immer finde. Von mir hört man dann nur den leichten regelmäßigen Atem, der mich am Leben erhält und der Staubfaden ist still.